Selbstverständliches

Bis vor einigen Wochen hab ich noch gedacht, dass eine Freundschaft, in der es viele Selbstverständlichkeiten gibt, besonders entspannt sein muss. Für mich war dieses Wort eher mit „klar, kein Thema“ und einem Lächeln verbunden.

Allerdings… ist es wirklich etwas erfreuliches, wenn sich ein Hochzeitsgast selbst zum Bleiben einläd und damit dem Brautpaar nicht nur die Möglichkeit nimmt, nach Wochen langer, stressiger Planung mal abzuschalten, sondern auch die gewünschten LastMinute-Flitterwochen zu starten? Oder wenn jemand, der auf eine Geburtstagsfeier eingeladen wurde, wie selbstverständlich und ungefragt eigene Leute mit einläd und sich mit denen in eine Ecke zurück zieht, obwohl es sich dabei um einen Geburtstag im kleinen Kreis handeln sollte?

Ich mag ja altmodisch sein, aber ich möchte gefragt werden. Und ich empfinde dieses Verhalten weniger als selbstverständlich, sondern deutlich eher als egoistisch. „Sich selbst einladen“ und andere ungefragt mitbringen konnte ich noch nie. Auf besagter Geburtstagsfeier war auch einer meiner Freunde, den das Geburtstagskind allerdings selbst eingeladen hat, nachdem ich erzählt habe, dass dieser Mensch an diesem Tag in der Stadt war. Nichts hätte mich auf die Idee gebracht, selbst eine Einladung auszusprechen – das war ja nicht mein Geburtstag. Obwohl ich in dem Haus wohne, in dem gefeiert wurde – ich finde, ein Geburtstagskind hat selbst das recht zu entscheiden, wen es am Tag der Feier um sich haben will. Das gleiche gilt für das Brautpaar.

Natürlich kann ungeplanter Besuch auch etwas schönes sein. Ich erinnere mich beispielsweise heute noch gerne daran, wie ein Kumpel einen anderen, den ich schon jahrelang nicht mehr gesehen hatte, spontan zu meinem Geburtstag mitbrachte. Das hat mich unheimlich gefreut. Aber bei dieser Überraschung ging es meinem Kumpel ja auch darum, mir eine Freude zu machen, und nicht sich selbst.

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