Intimität und Diskretion

Wieviel, was einem im Vertrauen erzählt wurde, was intime Erinnerungen betrifft, die man miteinander teilt, darf man eigentlich hinterher erzählen, wenn man sich eines Tages nicht mehr versteht?
Offenbar sind da die Meinungen sehr verschieden. Ich bin ja der Ansicht, dass die natürliche Diskretion, die man innerhalb der Freundschaft, Beziehung oder was auch immer hatte – auch oder sogar gerade wenn es einen Streit gibt oder man sich trennt – ein Recht darauf hat, gewahrt zu werden. Man hat da schließlich jemandem meine Seele zu Füssen gelegt, seine intimsten Gedanken offenbart, und man hat das getan, weil man darauf vertraut hat, dass der andere es für sich behalten würde.
Ist ein intimes Geheimnis plötzlich nicht mehr persönlich, wenn etwas Zeit vergangen ist? Ich denke, es ist eine Form von Anstand, wenn man auch im Nachhinein etwas Diskretion walten läßt, die man eigentlich voraussetzen sollte. Soviel Respekt kann wohl jeder erwarten. Und ich weigere mich zu glauben, dass das der Weg ist, den die Dinge normalerweise gehen, denn dann könnte ich mich nie wieder guten Gewissens jemandem anvertrauen. Eine Garantie, dass man sich immer gut verstehen wird, gibt es nie. Und man kann sich gewaltig in einem Menschen täuschen.

Nachtrag:

Geburtstag zu haben ist für mich vor allem deswegen schön, weil sich Leute melden, mit denen man schon ewig nichts mehr zu tun hatte. Man erkennt wahre Freunde, bemerkt, wer auch an einen denkt, wenn man sich zwischendurch mal ein paar Monate nicht gesehen hat…
Ich danke Euch!!