Rätsel des Lebens

Hatte heute mal wieder ein Gespräch mit meinem Fachmann.
Immer sehr bezeichnende Sachen, die zum nachdenken anregen, wie das sicher auch sein sollte…
Ich lasse mich darüber aus, dass ich mich nicht verschließen will. Trotz aller Enttäuschungen und negativer Erfahrungen. Ich rede gegen alle, die sich als Schutzschild vor Verletzungen vorgenommen haben, keine Gefühle mehr zuzulasen, bis man sich „sicher“ ist. Kann man sich in so einem Thema jemals wirklich sicher sein?
Mein oberstes Ziel ist es, offen zu bleiben, und wenn ich dabei hier und da auf die Nase falle, dann muss ich damit wohl irgendwie leben.

Und er meint mit einem Lächeln zu mir: „Sie sprechen mir aus der Seele, aber trotzdem sollte man einen Blick dafür haben, ob der Schrank, den man haben will, auch durch die Tür passt. Sonst hat die ganze Sache von Anfang an keinen Sinn.“ Im schlimmsten Fall sind Tür und Schrank am Ende nicht mehr in dem Zustand, in dem sie vorher waren.

Mal wieder ein anschaulich klares Beispiel für eine im wirklichen Leben schwierig aussehende Sache.

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Warum meint man eigentlich immer am Ende einer Geschichte eine Freundschaft anbieten zu müssen? Denken die Leute, die das sagen, auch mal wirklich über den Inhalt ihrer Worte nach? Damit sind wir auch wieder bei der Definition, was eine Freundschaft eigentlich ausmacht.

Es ist schon hart, wenn mein Gegenüber mir ins Gesicht sagt, dass er mit mir wetten würde, dass die Entscheidung, ob oder ob nicht, schon längst gefallen ist, und dass das Thema „Freundschaft und ich“ in kürzester Zeit im Sande verlaufen sein wird.
Und ich auch noch weiß, dass er Recht hat…

Aber wieso ist das so? Wieso geht man mit diesem Wort, mit diesem Angebot so leichtfertig um, wenn man kein weiteres Interesse daran hat? Weil man alles nicht so schwarz aussehen lassen will, damit einen das eigene schlechte Gewissen nicht so quält? Weil es sehr leicht daher gesagt ist, vielleicht sogar erwartet wird? Weil man nicht unglaubwürdig werden will – wieso eigentlich nicht?
Das gehört für mich wahrscheinlich zu den Rätseln des Lebens, auf die ich nie eine Antwort finden werde.

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Dienstag, 18. November 2003, 17:37 Uhr

Und wieder ein Tag in meinem Leben, in dem die letzte Seite in einem Buch umgeschlagen wird, man noch mal einen Blick auf das Deckblatt wirft, sich denkt „War eigentlich wirklich schön…!“ und es ins Regal stellt.

Bus fahren

U-Bahn-Ersatzverkehr: mal mit dem Bus fahren.
Alle Leute steigen stromartig ein, und ich wundere mich schon, dass alle nach hinten stürzen, obwohl vorne noch Plätze frei sind. Aber vorne sitzt eine Gruppe Punks mit zwei Hunden und um sie herum klafft ein weiter Kreis Leere…

Ich setze mich eine Reihe dahinter und frage mich, ob man sich an dieser Stelle deswegen so unwohl fühlt, weil man nicht genau weißt, was sie denken, oder weil man jeden persönlichen Gesprächsbrocken mitbekommt, der rüber kommt. Und das sind so einige, in einer Ausdrucksweise, die einem für solch laute Gespräche vollkommen unangemessen erscheint.

Der schwarze und gepflegt aussehende Hund des einen will aufstehen und durch die Gegend laufen und bekommt von seinem Herrchen ein rüdes „Hey, du Schlampe, pack deinen Arsch auf die Erde!“ an den Kopf. Und der Hund gehorcht ganz brav. Im Laufe der Zeit wird klar, dass sie den Hund „Schlampe“ genannt haben. Was für ein Name!

Ein Junge fragt das Mädchen, das er schon die ganze Zeit innig in seinen Armen hält: „Sag mal, wie alt bist du eigentlich?“ „13“, antwortet sie.
„13…“, meint er, „mein lieber Mann, ich war auch 13, als ich auf der Straße gelandet bin. Jetzt bin ich 17.“ Und lächelt ein Lächeln, das irgendwo zwischen Gequältheit und Zufriedenheit liegt.
Ihr scheint vollkommen egal zu sein, was vorher war. Sie scheint einfach froh zu sein, Leute zu haben, bei denen sie sein kann.

„Du kannst heute Nacht bei mir übernachten“, sagt einer zu einem anderen, worauf der Stille in der Ecke, der mit seiner Weinflasche in der Hand die ganze Zeit nichts gesagt und die Situation beobachtet hat, anfängt zu lachen und meint: „Da mußt du aber aufpassen, dass du dich nicht in Scheiße legst.“ „Die haben den Boden schon mit Zeitungspapier auslegt. Und wo machen die hin? Dazwischen! Es ist nicht zu fassen, echt…!“

Da kann man jetzt wieder philosophieren, ob sie so sind, wie sie sind, weil sie auf der Straße gelandet sind, oder ob sie auf der Straße gelandet sind, weil sie so sind, wie sie sind.
Aber letztendlich hab ich mir vorgenommen, das nächste Mal wirklich mal eine dieser Obdachlosenzeitungen zu kaufen, wenn sie in der U-Bahn angeboten werden. Dieser Einblick in das Leben war erschütternder, als es jeder einleitende Monolog der Verkäufer sein könnte…

Freundschaft

Ich mach mir schon seit einigen Tagen Gedanken darüber, wie man Freundschaft eigentlich definiert. Im Grunde scheint das eine sehr schwammige Sache zu sein, die jeder ein wenig anders sieht.

Man kann Freundschaft schlecht in Zeit messen, denn manchmal sind es gerade die Freundschaften, bei denen man sich jahrelang nicht sieht und wo doch beim Wiedersehen alles so ist, wie es immer war, die man als „echte“ Freundschaften bezeichnet.

Wenn ich oder mein Gegenüber sich verändert und man plötzlich nicht mehr miteinander klar kommt, war das dann keine Freundschaft?
Bei einer Veränderung zum Positiven würde man das annehmen. Wenn es allerdings darum geht, sich selbst zu erhalten, weil einer in einer Sucht gelandet ist und es einen zu sehr mitnimmt, das alles durchzustehen, ohne helfen zu können, nennt man das Selbsterhaltungstrieb trotz Freundschaft.

Und wie unterscheidet man für sich selbst, welche Freundschaften es wert sind, darum zu kämpfen, sich zu bemühen und sie zu erhalten, und welche man einfach im Sande verlaufen läßt und keine Träne nachweint, wenn man nie wieder etwas voneinander hört?